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Medizinische Informationen

Tumorerkrankungen
Jährlich erkranken in Deutschland ungefähr 400.000 Menschen neu an Krebs wobei die Strahlentherapie bei jeder zweiten Krebserkrankung einen wichtigen Bestandteil des Behandlungskonzeptes, in einigen Fällen sogar die einzige Therapieform darstellt. Die Behandlung einer Tumorerkrankung erfolgt zumeist in einer Kombination aus mehreren Therapieansätzen (z.B. Operation, Chemotherapie und anschließende Bestrahlung). Die Entscheidung über den konkreten Verlauf einer individuellen Behandlung basiert auf nationalen und internationalen Leitlinien und wird in interdisziplinär besetzten Tumorkonferenzen gefällt.
Tumoren können sich an allen Stellen des Körpers entwickeln. Im Prinzip ist für die Strahlentherapie gerade in ihrer modernen Form jeder Sitz im Körper behandelbar, wie auch fast alle Tumorarten.


Hirntumoren
Man unterscheidet zwischen primären und sekundären Hirntumoren (Metastasen). Primäre Hirntumoren sollten nach Möglichkeit operiert werden; in jedem Fall ist eine Probeentnahme vorteilhaft. Die Strahlentherapie hat bei fast allen primären Hirntumoren eine wichtige Aufgabe und wird heutzutage meist in Kombination  mit einer Chemotherapie indiziert. Es gibt auch gutartige Tumoren im Gehirn oder an den Hirnhäuten. Diese stellen eine Indikation für die stereotaktische Bestrahlung dar und sind mehrheitlich durch die alleinige Strahlentherapie behandelbar. Bei Meningeomen wird auch eine Kombination von Operation und anschließender Bestrahlung durchgeführt. Die Tochtergeschwülste im Gehirn betreffen viele unterschiedliche Tumorarten. Chemotherapien können üblicherweise im Gehirn keine hohe Konzentration erreichen, da sich das Gehirn durch die Bluthirnschranke schützt. Daher ist dort die Strahlentherapie gefragt. In der Regel wird eine sogenannte Ganzhirnbestrahlung verschrieben, da das Hirngewebe als biologisch inaktives Gewebe die Strahlen gut verträgt. Für Metastasen bietet sich auch die stereotaktische Bestrahlung als sogenannte Radiochirurgie (= Einzeitbestrahlung) an.


Kopf-Hals-Tumoren
Am häufigsten handelt es sich dabei um Krebserkrankungen im Bereich des Kehlkopfes oder des Rachengebietes, die durch Rauchen und Alkohol verursacht werden. Diese Tumoren werden entweder operiert und anschließend bestrahlt oder ausschließlich bestrahlt. Auch hier findet in der Regel die Behandlung als Radiochemotherapie statt.


Mammakarzinom
Nach einer brusterhaltenden Operation muss die befallene Brust nachbestrahlt werden. Die unterstützende (adjuvante) Behandlung ist unbedingt angedacht da die Wahrscheinlichkeit eines lokalen Rückfalls ca. 30 % beträgt.


Lungentumoren
Es handelt sich zumeist um  sehr aggressive Tumoren, die zu 85% mit dem Rauchen assoziiert sind. Falls keine Operationsmöglichkeiten vorliegen ist hier die Strahlentherapie die Methode der Wahl, aber auch im palliativen Fall zur Vorbeugung von größeren Komplikationen.
Tumoren des Oberbauches
Sie sind für die Strahlentherapie eine relativ seltene Indikation. Für das Pankreaskarzinom gibt es Konzepte für eine Bestrahlung vor einer Operation, das Magenkarzinom wird (in Deutschland) selten strahlentherapeutisch behandelt.


Beckentumoren
Diese Tumoren haben ihren Ursprung entweder in den weiblichen Geschlechtsorganen oder in der Blase, dem Anus, Rektum bzw. der Prostata. Die Behandlung erfolgt strahlentherapeutisch, als Radiochemotherapie oder im Fall der Prostata als sehr intensive lokale Bestrahlung wobei technisch alle Register gezogen werden. Das Vaginal- und das Vulvakarzinom wird primär allein bzw. radiochemotherapeutisch behandelt.  Obwohl die zu bestrahlenden Volumina sehr komplex und ausgedehnt sind, hat sich die Verträglichkeit durch die Bestrahlungstechnik verbessert (VMAT plus Brachyboost).


Tumoren der Extremitäten
In der Regel handelt es sich um Sarkome, also Weichteiltumore. Sie werden meist operiert und danach strahlentherapeutisch behandelt (postoperative, adjuvante Strahlenbehandlung). Diese Tumoren können in höchster Präzision, in exzellenter Absprache mit den Kollegen und auch als Radiochemotherapie behandelt werden.

Strahlentherapie

Die Strahlentherapie ist eine medizinische Behandlungsform, bei der mit Hilfe von harten Röntgenstrahlen (Photonen,  Gammastrahlung) Tumorzellen direkt abgetötet oder zum Absterben gebracht werden. Die Anwendung dieser Strahlung erfolgt entweder

    • von außen (Teletherapie, perkutan,  "durch die Haut durch")
    • in Körperhöhlen (intrakavitäre Brachytherapie)
    • aber auch direkt im Gewebe (interstitielle Brachytherapie).


Nach einer Bestrahlung sendet man selbst keine Strahlung aus. Das Risiko für andere Personen entfällt, soziale Kontakte können nach wie vor stattfinden.
Die Bestrahlung von außen ist in der Regel eine Serientherapie von mindestens 3 bis etwa 40 Bestrahlungen, die nach einem Aufklärungsgespräch und der Bestrahlungsplanung werktäglich - möglichst ohne Pause - aufeinanderfolgen. Häufig kann die Bestrahlung ambulant durchgeführt werden, die Anfahrt zur Klinik kann mit dem Taxi erfolgen, dessen Kosten von den Krankenkassen in der Regel übernommen werden. Der Patient ist in diesen Fällen täglich eine halbe Stunde in der Klinik und fährt dann wieder nach Hause. In gewissen Fällen muss die Behandlung stationär ablaufen.
Vor Beginn der eigentlichen Behandlung findet die Vorbereitung und Planung statt. Wichtigster Teil davon ist die Planungs-Computertomographie, die meist ohne  Kontrastmittel erfolgt und sich auf die zu bestrahlende Region beschränkt. Danach zeichnet der Arzt das Zielvolumen und Risikoorgane in die CT-Bilder ein und übergibt alles den Physikern. Diese berechnen am Computer die günstigste Bestrahlungstechnik, die die Behandlungsdosis in das Zielvolumen bringt und die Risikoorgane möglichst schont.
Die erste Einstellung findet in der Regel direkt am Bestrahlungsgerät statt, indem man die dort angebrachte Bildgebung nutzt und die aktuellen Bilder mit den Planungsbildern abgleicht. Es ist inzwischen eine Genauigkeit im Millimeterbereich möglich.
Die einzelne Bestrahlung dauert normalerweise nur wenige Minuten, der Patient liegt währenddessen ruhig auf dem Bestrahlungstisch, die Strahlung wird nicht gespürt. Spezielle Bestrahlungstechniken, z.B. mit optimaler Schonung von tumornahen empfindlichen Organen oder im Rahmen einer hochdosierten, einmaligen Punktbestrahlung (Stereotaxie) erfordern eine Liegedauer von ca. 10 - 15 Minuten.
Da sich  die Techniken der Bestrahlung und auch die Dosisberechnung ständig verbessern kann der Tumor immer gezielter bestrahlt werden (konformale Strahlentherapie). Die Mitbestrahlung gesunder Körperzellen hat sich durch verfeinerte Lagekontrollen am Bestrahlungsgerät (Cone beam CT; IGRT) stark vermindert, und damit auch die Häufigkeit und Schwere an Nebenwirkungen.


Überblick zu den Therapiekonzepten
Die Strahlentherapie ist oftmals nur eine von mehreren gleichzeitig oder nacheinander angewendeten Therapieansätzen im Falle einer Tumorerkrankung. Im Behandlungskonzept wird festgelegt, welche der Optionen die „primäre“ Therapie darstellt.
Dies kann wie für bestimmte Stadien des Prostatakarzinoms die Strahlentherapie sein. Man spricht dann von einer alleinigen oder definitiven Strahlentherapie. Für viele Tumorarten ist es die Chirurgie, d.h. die operative Entfernung der Geschwulst. Die Strahlentherapie kommt als begleitende Behandlung zum Einsatz, wenn klinische Studien gezeigt haben, dass der Behandlungserfolg in der Kombination Operation/Bestrahlung besser ist, als mit einer alleinigen Therapie. Man spricht von einer adjuvanten Therapie, wenn die Bestrahlung nach der Operation stattfindet, wie im Falle der Behandlung von Brustkrebs. Es gibt auch die Variante einer vorgeschalteten oder neoadjuvanten Strahlentherapie mit dem Ziel, die Tumormasse vor einer Operation durch die Strahlenwirkung zu verkleinern.
Die Bestrahlung ist ähnlich wie die Operation eine lokal begrenzt wirkende Therapie. Bei vielen Behandlungskonzepten ist deshalb eine Kombination mit einer medikamentösen Therapie erforderlich. Dies erfolgt mit dem Ziel, vom eigentlichen Tumor entfernte mikroskopisch kleine Absiedelungen mit der Therapie zu erfassen und eine Ausbreitung des Krankheitsgeschehens durch so genannte Metastasen zu verhindern. Zudem sollen durch diese sanfte Chemotherapie Tumorzellen sensibilisiert werden, um die Wirkung der Strahlen zu verbessern. Man spricht in diesem Fall von einer kombinierten Radiochemotherapie oder Radioimmuntherapie.


Zur Indikationen einer Strahlentherapie
Die Empfehlung darüber, ob eine Strahlentherapie als alleinige oder begleitende Therapiemaßnahme für eine bestimmte Tumorerkrankung in Frage kommt, wird in der Regel anhand von nationalen bzw. internationalen Leitlinien gefällt. Innerhalb dieser Leitlinien streben Experten der unterschiedlichsten Fachgebiete einen Konsens darüber an, welche Therapiekonzepte die besten Heilungschancen für eine bestimmte Tumorerkrankung bieten. Grundlage der Empfehlungen bilden medizinische Studien an vielen Patienten mit einer ähnlichen Erkrankung, in denen die erreichte Tumorkontrolle und die Lebensqualität der Patienten ausgewertet wurden. So wurde z.B. ermittelt, dass eine Strahlentherapie im Anschluss an eine brusterhaltende Operation bei Brustkrebs einen Überlebensvorteil für die Mehrheit der Patientinnen bringt. Deshalb wird diese Therapiekombination für bestimmte Tumorstadien generell empfohlen. Ein anderes Beispiel ist die Bestrahlung des Prostatakarzinoms. Für bestimmte Stadien des Prostatakarzinoms erreicht man mit der Strahlentherapie eine ähnlich gute Tumorkontrolle wie eine Operation, aber eventuell verbunden mit weniger Nebenwirkungen (z.B. Erhaltung der Kontinenz).
Manchmal ist die Datenlage nicht so eindeutig und mehrere Therapievarianten kommen in Frage. An dieser Stelle profitieren die Patienten von Tumorkonferenzen, in denen Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen eine individuelle Therapieempfehlung für jeden Patienten anhand des jeweiligen Krankheitsbildes aussprechen.
Ein Therapiekonzept festzulegen heißt, eine Balance zu finden zwischen der Kontrolle des Tumorgeschehens einerseits und der mit der Therapie verbundenen Einschränkungen andererseits. Die erreichte Lebensqualität ist oft schwer in Zahlen zu fassen und wird individuell ganz unterschiedlich bewertet. So ist es wichtig zu verstehen, dass die letzte Entscheidung über die Durchführung einer Therapie immer beim Patienten selbst liegen muss. Dazu müssen verlässliche Daten zu den Heilungschancen aber auch zu den ggf. auftretenden Komplikationen vorliegen und mit dem Patienten ausführlich besprochen werden. Dies ist Gegenstand des ausführlichen Arztgespräches vor Beginn der Therapie.

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